SPEZIALSPRECHSTUNDE MULTIPLE SKLEROSE

Neuroimmunologische Erkrankungen

Leitung

Prof. Dr. med. Michael Sailer* & OA Dr.med. Mike Matzke

 

*Leiter des Ärztlichen Beirates des Landesverbands Sachsen-Anhalt der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) Mitglied im Bundesverband des Ärztlichen Beirates der DMSG Koordinator für Fragen der Kernspintomographischen Bildgebung bei Multipler Sklerose (MS) der DMSG.

 

Doktoranden

Jan Fenker: Diffusionsbildgebung bei Multipler Sklerose
Franziska Buttkus: Kortikale Veränderungen bei Patienten mit Multipler Sklerose
(in Kooperation mit Prof. T. Münte)

Kooperationen

Klinische Kooperation:
Neurologisches Rehabilitationszentrum Magdeburg (Median Kliniken)
Wissenschaftliche Kooperation:

- Prof. Brück, Neuropathologie, Universität Göttingen
- Prof. Gärtner, Neuropädiatrie, Universität Göttingen
- Prof. Münte, Neuropsychologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 

Thema-Darstellung

In der Spezialsprechstunde werden Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und anderen neuroimmunologischen Krankheitsbildern betreut und behandelt.

Was ist Multiple Sklerose?

Jede Nervenfaser im zentralen Nervensystem (ZNS, Gehirn und Rückenmark) besitzt eine isolierende Schicht, die aus einer fetthaltigen Umhüllung, die Myelin genannt wird, besteht. Diese Nervenfaser kann man mit einem isolierten elektrischen Kabel vergleichen, wobei die Isolierung der Myelinschicht entspricht. Bei der MS wird das Myelin innerhalb des zentralen Nervensystems teilweise zerstört und vernarbt dann in der Folge (Multiple “viele“ und Sklerose “Vernarbung“). Ohne die Myelinschicht können die Signale nicht störungsfrei Übertragen werden (entsprechend einer zerstörten Isolierung eines Kabels), so dass die Befehle, die vom zentralen Nervensystem zur Steuerung der Funktionen des Körpers ausgesendet werden nur unvollständig oder sogar gar nicht weitergeleitet werden können. Die ungeschützten Nervenfasern können im weiteren Verlauf untergehen und als Folge zur bleibenden Behinderung führen.

Die Entstehung dieser Erkrankung ist in allen Einzelheiten nicht bekannt. In den letzten Jahren ist jedoch deutlich geworden, dass die MS nicht nur unterschiedliche klinische Erscheinungsformen besitzt, sondern auch unterschiedliche krankhafte immunologische Vorgänge im Gehirn stattfinden. Die Grundlage der Erkrankung bildet eine Fehlregulation des körpereigenen Abwehrsystems mit der Zerstörung der Myelinscheiden und der Nervenzellen. Vor diesem Hintergrund hat sich die Behandlung der MS in den letzten Jahren gewandelt.

 

Die Diagnose und Behandlung der Multiplen Sklerose

Die Diagnose der MS kann heute durch die Anwendung der Kernspintomographie innerhalb der neuen Kriterien immer früher gestellt werden. Die Anwendung der Bildgebung und der Kriterien trägt damit entscheidend zur frühen Behandlung bei.

In der Behandlung stehen immer mehr Medikamente zur Verfügung, die den natürlichen Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Entscheidend ist hierbei die im Langzeitverlauf individuelle, auf den einzelnen Patienten maßgeschneiderte Betreuung. Dies gelingt in einer Spezialambulanz, in der neueste Erkenntnisse, langjährige Erfahrung und eigene wissenschaftliche Ergebnisse in einzelnen Behandlungskonzepten zur Anwendung kommen. Neu diagnostizierte Patienten werden von uns umfangreich aufgeklärt und über alle zur Verfügung stehenden Therapieoptionen umfassend informiert. Patienten im akuten Krankheitsstadium und solche, die auf eine Immuntherapie neu eingestellt wurden, werden in kürzeren Abständen von uns ambulant untersucht. Bei Stabilität des Erkrankungsverlaufs stellen sich die Patienten in längerem Abstand bei uns zur Kontrolle vor, wobei eine Zusammenarbeit mit niedergelassen Kollegen von großer Bedeutung ist. Bei Komplikationen oder Erkrankungsschüben können die Patienten jederzeit die MS-Ambulanz aufsuchen.

 

Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit ist es, zusammen mit den geschulten MS-Schwestern, Patienten in der Handhabung von Therapien zu trainieren, z.B. das Erlernen der Eigeninjektion (sich selbst spritzen). Wir bieten ebenfalls die ambulante Durchführung von Infusionstherapien in regelmäßigen Abstände an. Das Ziel ist eine Stabilisierung des Krankheitsbildes und die Verbesserung der Lebensqualität der MS-Patienten.

 

Klinische Studien

  1. Studien zur Frühbehandlung
  2. Studien mit neuen Medikamenten
  3. Studien zur Behandlung nach der Eskalationstherapie
  4. Studien zur Lebensqualität

 

Neben der Anwendung moderner Therapieformen ist das Ziel der Sprechstunde auch der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn im Hinblick auf bildgebende Verfahren, die dazu dienen, die Erkrankung früher zu erkennen, ihren Verlauf zu verfolgen und die Effektivität der Therapie bei MS-Patienten einzuschätzen. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung neuer Technologien der Bildgebung wie die Magnetization-Transfer-Technik, die Diffusions-Tensor-Bildgebung, die Spektroskopie, die molekulare Bildgebung sowie die Kernspintomographie mit sehr hohen Feldstärken.

Die Arbeitsgruppe Multiple Sklerose in der Universitätsklinik für Neurologie führt wissenschaftliche Grundlagenforschung in Zusammenarbeit mit dem Center of Advanced Imaging (CAI) durch. Ziel dieser Forschung ist es, zu einem besseren Verständnis der biologischen Grundlagen der Multiplen Sklerose zu gelangen.

 

Abbildungen

 

 

Legende: Mit neuen Methoden der Kernspintomographie können Schäden, aber auch der Wiederaufbau von Nervenverbindungen bei MS im Gehirn sichtbar gemacht werden.

 

 

Legende: Durch kernspintomographische Verlaufuntersuchungen werden auch solche Entzündungsvorgänge im Gehirn sichtbar gemacht, die vom Patienten nicht bemerkt werden.

 

 

Legende: Auch die Hirnrinde (Kortex) kann bei der MS von Entzündungsvorgängen und Zellabbau betroffen sein.

 

Ausgewählte Literatur


  1. Sailer M, Fischl B, Salat D, Tempelmann C, Schonfeld MA, Busa E, Bodammer N, Heinze HJ, Dale A. Focal thinning of the cerebral cortex in multiple sclerosis. Brain. 2003 Aug;126(Pt 8):1734-44. Epub 2003 Jun 4.
  2. Wachowius U, Talley M, Silver N, Heinze HJ, Sailer M. Cognitive impairment in primary and secondary progressive multiple sclerosis. J Clin Exp Neuropsychol. 2005 Jan;27(1):65-77.
  3. Multiple Sclerosis Therapy Consensus Group. Escalating immunotherapy of multiple sclerosis--new aspects and practical application. J Neurol. 2004 Nov;251(11):1329-39. Review
  4. Brex PA, Ciccarelli O, O'Riordan JI, Sailer M, Thompson AJ, Miller DH. A longitudinal study of abnormalities on MRI and disability from multiple sclerosis. N Engl J Med. 2002 Jan 17;346(3):158-64.
  5. Sailer M, O'Riordan JI, Thompson AJ, Kingsley DP, MacManus DG, McDonald WI, Miller DH. Quantitative MRI in patients with clinically isolated syndromes suggestive of demyelination. Neurology. 1999 Feb;52(3):599-606.
  6. Lensch E, Matzke M, Petereit HF, Scherer P, Schramm S, Calabrese P Identification and management of cognitive disorders in multiple sclerosis--a consensus approach. J Neurol. 2006 Feb;253 Suppl 1:I29-31.
  7. Boelmanns K et al. Diffusion tensor tracktografie detects longitudinal changes in corticospinal tracts due to inflammatory Lesions In preparation
  8. Lindquist S et al. Histopathology and serial multimodalMmri in a multiple sclerosis variant Mult Scler, in press

 

Kontakt

 

Otto-von-Guericke-Universität

Universitätsklinik für Neurologie

und Universitätsklinik für Stereotaktische Neurochirurgie
Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R
Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg,

Deutschland

 

Montag, Dienstag, Donnerstag 9.00h - 12.00h sowie nach Vereinbarung


Tel: +49 (0391) 67-15031

Fax: +49 (0391) 67-15233