SPRECHSTUNDE FÜR GEDÄCHTNISSTÖRUNGEN

Leitung

OA. PD Dr. med. Notger Müller


Stellvertretender Leiter:
Dr. Daniel Bittner (Facharzt für Neurologie)

Thema

Schlüssel verlegt und nicht mehr wiedergefunden, einen Termin vergessen ... Wer kennt es nicht, Probleme mit dem Gedächtnis? Aber ab wann ist dieser Zustand nicht mehr normal, ab wann sind die Veränderungen Ausdruck eines krankhaften Prozesses? Diese Problematik hat durchaus ihre Relevanz. So ist bekannt, dass sowohl Patienten selbst, deren Angehörige, aber auch die behandelnden Ärzte Gedächtnisprobleme verkennen oder als dem höheren Lebensalter entsprechend einordnen. Dabei ist der Gedächtnisverlust im Alter deutlich geringer ausgeprägt, als gemeinhin angenommen, vielmehr ist er in der Regel Ausdruck einer, meist auch behandelbaren, Erkrankung. In Deutschland erkranken jedes Jahr ca. 200.000 Menschen neu an einer Demenz. Wenngleich die Wahrscheinlichkeit zu erkranken erst nach dem 60. Lebensjahr deutlich zunimmt, ist eine Erkrankung in einem jüngeren Lebensjahr durchaus möglich. Eine frühzeitige Behandlung mit den auf dem Markt befindlichen Medikamenten ist hierbei entscheidend für den weiteren Verlauf. Betroffene berichten neben Verschlechterungen des Gedächtnisses über Schwierigkeiten beim Lernen neuer Inhalte sowie über Wortfindungsstörungen. Später treten Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen oder eine Denkverlangsamung auf. Die mit Abstand häufigste Demenzursache ist heute die Alzheimer-Erkrankung.

 

 

Ihr Leitsymptom besteht in einer Störung des Neugedächtnis, d.h. der zunehmenden Unfähigkeit, sich neue Informationen einzuprägen und diese nach einer kurzen Ablenkung wieder abzurufen ("verzögerte Wiedergabe"); dadurch wird Lernen immer schwerer und schließlich unmöglich. Hierbei sind klassischerweise länger zurückliegende Ereignisse besser erinnerlich und nehmen auch aufgrund ihrer festeren Einspeicherung zunehmenden Raum in der Erlebniswelt des Patienten ein. Weiter können Orientierungsstörungen auftreten. Auch hierbei gilt, dass sie zuerst in einer fremden Umgebung auftreten, während bekannte Wege auch in schwereren Stadien noch gut erkannt werden. Frühe Symptome der Alzheimer-Demenz:

 

  1. Merkfähigkeitsstörung (Zunehmende Schwierigkeiten, neue Informationen abzuspeichern. "Von früher weiss ich noch alles.")
  2. Wortfindungsstörung ("Das Wort liegt mir auf der Zunge, aber ich komme nicht drauf. Später fällt es mir dann ein.")
  3. Störung der geteilten Aufmerksamkeit (die Verarbeitung mehrerer simultaner Reize ist erschwert- z.B. "an einer Gesprächsrunde teilnehmen und dabei alles mitbekommen".)
  4. Exekutivfunktionsstörung (Planendes Denken und Handeln: Haushaltsführung, "Kochen")
  5. Zeitliche Orientierungsstörung (Das aktuelle Datum bzw. den Wochentag nicht wissen)

 

 

Die Demenzschwelle ist erreicht, wenn neben den Gedächtnisstörungen weitere kognitive Beeinträchtigungen auftreten und damit insgesamt die Alltagskompetenz eingeschränkt ist. Testpsychologisch festgestellte Funktionsdefizite bei uneingeschränkter Alltagsfunktion rechtfertigen alleine hingegen nicht die Diagnose einer Demenz.

Klinisch wird angeboten

Demenzfrüherkennung, Demenzdifferentialdiagnostik, Beratung und Therapieempfehlung, Verlaufskontrolle und ein kognitives und körperliches Trainingsprogramm (geplant).

"Apparative" Diagnostik umfasst

 

  1. Neuropsychologie (Kurztests wie Mini Mental Status Test und ausführliche Testung durch eine Psychologin)
  2. Labordiagnostik (Blutbild, C-reaktives Protein, Blutsenkung, Kreatinin, GOT, GPT, Na, K, Ca, Vit.B12, Folsäure, TSH, Apolipoprotein E als Risikogen)
  3. Bildgebung (MRT: strukturell und funktionell mit fMRT, DTI, Morphometrie, Spektroskopie; Perfusions-SPECT)
  4. Liquordiagnostik (Tau und ß---Amyloid 1-42)

 

 

Das wissenschaftliche Hauptaugenmerk liegt auf der Früherkennung. Insbesondere soll hierbei das Mild Cognitive Impairment, also die leichte kognitive Beeinträchtigung näher untersucht werden. Diese Bezeichnung wird bei Menschen verwendet, die über Gedächtnisprobleme klagen, die auch in einem Testverfahren nachweisbar sind, dabei aber keine Einbußen in der Bewältigung des Alltags erleben. Ob es sich hierbei um ein Frühstadium der Alzheimer Erkrankung oder um einen Risikofaktor handelt ist derzeit ungeklärt. Schwerpunktmäßig kommt die Bildgebung des Gehirns zur Anwendung. Es ist hierbei möglich in der Kernspintomographie mittels des diffusion-tensor imaging (DTI) relevante Faserverbindungen darzustellen, mittels morphometrischer Verfahren Gehirnareale auszumessen, mit der Spektroskopie Stoffwechselprodukte zu bestimmen oder durch funktionelle Verfahren die Areale sichtbar zu machen, die bei der Gedächtnisbildung entscheidend sind und auf diese Weise ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen.

 

Klinische Studien

 

  1. Patienten mit Mild Cognitive Impairment sollen ausführlich im MRT und mit Liquor untersucht und nachverfolgt werden. Prognostische Marker zur besseren Abschätzung einer Konversion zu einer Alzheimer Erkrankung werden gesucht.
  2. Medikamentenstudien zur Verbesserung der erlebten Defizite und Prognose bei MCI.
  3. Medikamentenstudien bei Alzheimer Patienten.

 

Kontakt


Leiter:
OA. PD Dr. med. Notger Müller

 

Stellvertretender Leiter:

Dr. Daniel Bittner (Facharzt für Neurologie)


Otto-von-Guericke-Universität

Universitätsklinik für Neurologie

und Universitätsklinik für Stereotaktische Neurochirurgie
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39120 Magdeburg,

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