EINFÜHRUNG

Im Kontext des 1997 verabschiedeten „Gesetz zur Entwicklung der medizinischen Fachbereiche“ gewährte das Land Sachsen-Anhalt dem Universitätsklinikum Magdeburg Mittel für einen Klinikneubau. Der erste Spatenstich für diese große Investitionsmaßnahme wurde am 9. April 1998 vollzogen, die Fertigstellung dieses hochmodernen Klinikgebäudes erfolgte im Herbst 2004. Unter den zahlreichen hier untergebrachten Kliniken befindet sich auch die Universitätsklinik für Neurologie. Sie verfügt neben einer Poliklinik über zahlreiche Spezialambulanzen, eine Stroke Unit und neurologische Stationen mit insgesamt über 54 Betten in komfortablen Patientenzimmern.

 

Überblick über die Schwerpunkte der Klinik

 

Schwerpunkte der Klinik sind die Diagnostik und Therapie folgender Krankheitsbilder: Zerebrale Anfallsleiden, Multiple Sklerose (MS) samt anderer entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems, neuromuskuläre Erkrankungen und Morbus Parkinson sowie andere Bewegungsstörungen. Weitere Schwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie von Demenzen, Schlaganfällen und Hirntumoren. Im neurovaskulären Ultraschall-Labor werden die Störungen der Hirndurchblutung mit modernsten Methoden erfasst.


Stroke Unit

 

Die Stroke Unit ist eine auf die Frühbehandlung des akuten Schlaganfalls spezialisierte Station. Dazu verfügt sie über modernste Untersuchungs- und Überwachungsgeräte sowie Pflege- und Therapiehilfsmittel. Das Mitarbeiterteam setzt sich aus spezialisierten Ärzten, Schwestern/Pflegern und Therapeuten (Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Neuropsychologen) zusammen, die alle mehrjährige Erfahrung in der Behandlung des Schlaganfalls besitzen. So ist sichergestellt, dass Untersuchungen zur Abklärung der Schlaganfallursache, Therapiemaßnahmen zur Behandlung der akuten Durchblutungsstörung und Rehabilitationsmaßnahmen zur Wiedererlangung der körperlichen und intellektuellen Leistungsfähigkeit frühzeitig, rasch und aufeinander abgestimmt durchgeführt werden können. Die Magdeburger Stroke Unit verfügt über 8 Überwachungsplätze/-betten. Zusätzlich wird ein weiteres, identisch ausgestattetes Notfall-Bett vorgehalten, um jederzeit einen Patienten mit einem akuten Schlaganfall aufnehmen zu können.

 

Intensivtherapie

 

Die Abteilung der neurologischen Intensivtherapie befasst sich mit der Behandlung akut lebensbedrohlicher Erkrankungen, die infolge einer Bewusstseinsstörung, Hirndrucksteigerung oder neuromuskulären Schwäche zu einer Störung der Vitalfunktionen mit respiratorischer Insuffizienz führen. Die häufigsten Krankheitsbilder sind hierbei Hirninfarkte, Hirnblutungen gefolgt von Epilepsien.

 

Kooperationen

 

Es bestehen enge Kooperationen mit dem DZNE, dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in der Helmholtz-Gemeinschaft mit Hauptsitz in Bonn, mit Universitäten in den USA, der Epileptologie der Universität Bonn, dem Leibniz Institut für Neurobiologie in Magdeburg und mit dem International Neuroscience Institute (INI), einem An-Institut der Universität Magdeburg.

 

Anfallsleiden


Für die Diagnostik und Therapie zerebraler Anfallsleiden verfügt die Klinik über moderne elektrophysiologische Verfahren wie Videometrie (simultane Video- und EEG-Registrierung) und Magnetenzephalographie (Registrierung hirneigener magnetischer Felder, MEG) und beherbergt die einzige Epilepsie-Spezialambulanz Sachsen-Anhalts mit einer 24 Stunden Video-EEG-Monitoring. So kann der Patient gleichzeitig mit einer digitalen Kamera über mehrere Tage hinweg überwacht werden, während simultan kontinuierlich das EEG registriert wird. Ziel dieses Video- EEG-Monitorings ist es, durch die kontinuierliche Überwachung den genauen Typ der Epilepsie herauszufinden, zu objektivieren wie oft die Anfälle auftreten und spezifische Therapiemöglichkeiten anzubieten.

 

Bewegungsstörungen

 

Die Ambulanz für Bewegungsstörungen ist auf die Beratung, Untersuchung und Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen (Multisystematrophie, Progressive Supranukleäre Blickparese, Corticobasale Degeneration, Lewy-Körperchen-Krankheit) spezialisiert.

 

Multiple Sklerose


Die Arbeitsgruppe Multiple Sklerose ist ein Referenz-Zentrum in Sachsen-Anhalt für die medizinische Betreuung von MS-Patienten unter besonderer Berücksichtigung spezieller Fragen der Immuntherapie. Darüber hinaus werden wissenschaftliche Projekte zur Diagnose und Verlaufsbeobachtung mit modernen kernspintomographischen (MRT) Methoden in Kooperation mit in- und ausländischen Instituten durchgeführt.

 

Neuromuskuläre Erkrankungen

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Klinik, die auch das der Deutschen Gesellschaft für Muskelerkrankungen angeschlossene interdisziplinäre Muskelzentrum Sachsen-Anhalt leitet, sind neuromuskuläre Erkrankungen. Ziel des Zentrums ist die optimale Diagnose und Behandlung von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen sowie die Forschung im Bereich der Skelettmuskeln und der Muskelfunktionen. Die Klinik verfügt über eine moderne EMG-Diagnostik.

 

ALS


Die Arbeitsgruppe Motoneuron-Erkrankungen betreut in der Spezialambulanz ALS-Patienten und koordiniert verschiedene wissenschaftlich-klinische Projekte. Darüber hinaus kann für die nicht invasive neuromuskuläre Diagnostik sowie zur Therapieoptimierung das Verfahren der MR-Spektroskopie genutzt werden. Des Weiteren stehen drei Kernspintomographen (MRT) zur Verfügung, darunter ein für die Forschung vorgesehener 7-Tesla Hochfeld MRT.
Das neurophysiologische Labor befasst sich mit der diagnostischen Einordnung und Therapie verschiedener Formen des unwillkürlichen Hände- und Kopfzitterns (Tremor).

 

Neuropsychologie

 

Die Neuropsychologische Ambulanz, spezialisiert auf die Diagnostik und Therapie der Folgen von erworbenen Hirnschädigungen, bietet Patienten z.B. nach Schlaganfall, Hirntumoren, Schädel-Hirn-Traumen oder entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems eine Behandlung in Einzel- und /oder Gruppensitzungen, die auf die gezielte Therapie der Beeinträchtigten ausgerichtet ist.

 

Degenerative Erkrankungen

 

Eine Spezialsprechstunde für degenerative Erkrankungen des Zentralnervensystems (z.B. Parkinson- und Alzheimerkrankheit) umfasst die Diagnostik, Differentialdiagnose und Anwendung innovativer Therapien, wie z.B. Tiefe Hirnstimulation (siehe Klinik für Stereotaktische Neurochirurgie) bei degenerativen Erkrankungen. Der Schwerpunkt liegt hier in spezialisierter Diagnostik einschl. neuropsychologischer und neurophysiologischer Methoden, wie z.B. EEG, Spektralanalyse, Ereigniskorrelierte Potentiale, Magnetenzephalographie sowie funktionelle Kernspintomographie.

 

Demenz

 

Eine Spezialsprechstunde befasst sich mit Gedächtnisstörungen http://neuro2.med.uni-magdeburg.de/neurologie/de/klinik/gedaechtnis1.php einschließlich der Alzheimer-Erkrankung, wobei das Hauptaugenmerk auf der Früherkennung liegt. Das Krankheitsbild des Mild Cognitive Impairment (MCI), also eine leichte kognitive Beeinträchtigung, spielt im Rahmen der Früherkennung eine zunehmende Rolle und steht insbesondere im Zentrum der Diagnostik. Hierfür werden die bereits erwähnten neuropsychologischen, neurophysiologischen und bildgebenden (Kernspintomographie) Verfahren eingesetzt. Eine enge Kooperation gibt es mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, DZNE Magdeburg (Zentrale in Bonn) , die an Fragen der Prävention und der Pathomechanismens neurodegenerativer Erkrankungen, etwa Demenz, arbeitet.

 

Botulinumtoxintherapie

 

Schwerpunkt der Botulinumtoxin-Sprechstunde ist die ambulante Beratung, Untersuchung und Behandlung von Patienten mit dystonen Bewegungsstörungen und Spastik. Durch lokale Injektionen von Botulinumtoxin in krankhaft überaktive Muskeln können diese gezielt ruhiggestellt werden. Die Wirkung von Botulinumtoxin setzt innerhalb von wenigen Tagen ein und beträgt durchschnittlich 3 – 4 Monate (dies kann individuell sehr unterschiedlich sein). Danach ist eine erneute Injektion erforderlich, die Dosis wird in Abhängigkeit vom vorangegangen Wirkeffekt angepasst. Es handelt sich bei dieser Therapie also nicht um eine Heilung, sondern um eine Linderung von Symptomen, die bei Nachlassen der Wirkung wieder auftritt. Eine durch die Behandlung unbeabsichtigt auftretende Nebenwirkung bildet sich dementsprechend auch wieder vollständig zurück. Es ist also problemlos eine langdauernde, ggf. jahrzehntelange Therapie mit Botulinumtoxin möglich.

 

Neurometabolische Erkrankungen

 

Die Arbeitsgruppe „Neurometabolische Erkrankungen“ ist ein weiterer klinischer Forschungsschwerpunkt der Universitätsklinik für Neurologie. Unser Ziel ist die genaue metabolische Charakterisierung neurodegenerativer Erkrankungen im Rahmen der Therapie- und Verlaufskontrolle. Dabei konzentrieren wir uns auf neurodegenerative Modellerkrankungen wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), bestimmte extrapyramidale Bewegungsstörungen (Morbus Huntington und Parkinson-Syndrome) und die mesiale Temporallappenepilepsie (MTLE) mit Ammonshornsklerose (AHS).

 

Restaurative Neurologie

 

Unter restaurativer Neurologie versteht man die Restaurierung und nicht die Rehabilitation von gestörten Funktionen. Man nimmt die Schädigung des Gehirns nicht als endgültig an, sondern versucht, unter Verwendung der so genannten Neuro-Plastizität die Schädigung zu mildern bzw. durch Übernahme der beeinträchtigten Funktion durch andere Hirnstrukturen zu ersetzen. Das Gehirn rekrutiert dann Reserven, die vor dem Schaden gar nicht oder anderweitig genutzt wurden.

 

Mitochondrien - Funktionslabor

 

Es wird der Zusammenhang zwischen mitochondrialen Defekten und neurodegenerativen Erkrankungen erforscht. Die Defekte werden als Störungen der Zellatmung, der Enzymaktivität, des mitochondrialen Membran¬potentials oder der Funktion einzelner Ionenkanäle gemessen. Die Wirkung von Pharmaka (diverse Dopaminagonisten, Minocyclin) auf die Mitochondrien wird untersucht. Ziel ist das Verstehen neuroprotektiver Mechanismen.

 

Ambulanzen

 

Die Klinik betreibt Ambulanzen für die Bereiche Multiple Sklerose, Epilepsie, Muskelerkrankungen, neurovaskuläre Erkrankungen, Neuroonkologie (Tumorerkrankungen), Botulinumtoxin, Demenz, Schlafstörungen und degenerative Erkrankungen. Eine telefonische Anmeldung kann unter den Telefonnummern 0391/ 67 150 31 oder 67 13484 erfolgen.

 

Methoden Klinische Forschung

 

Für die klinische Forschung stehen der Klinik neben einem Ganzkopf-Magnetenzephalographen (MEG) (der die hirneigenen Magnetfelder registriert) drei eigene Kernspintomographen (MRT) zur Verfügung, darunter Europas erster 7-Tesla Hochfeld MRT, der Anfang des Jahres 2005 im Universitätsklinikum eingeweiht wurde.