Sprechstunde Botulinumtoxin

Leitung

 

OÄ Dr. med. Ute Bock

 

Klinik für Neurologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Mitglied des Arbeitskreises Botulinumtoxin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Inhaberin des Zertifikats qualifizierte Botulinumtoxin-Therapie.

 

OA Dr.med. Mike Matzke


Klinik für Neurologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Mitglied des Arbeitskreises Botulinumtoxin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Inhaber des Zertifikats qualifizierte Botulinumtoxin-Therapie.

 

Schwerpunkt unserer Botulinumtoxin-Sprechstunde ist die ambulante Beratung, Untersuchung und Behandlung von Patienten mit dystonen Bewegungsstörungen und Spastik.

 

Was ist Botulinumtoxin und wie wirkt es?


Botulinumtoxin ist ein von dem weltweit vorkommenden anaeroben Bakterium Clostridium botulinum produziertes Eiweiß (Toxin). Gelangt dieses Bakterium in Lebensmittel, kann es den sogenannten Botulismus, eine lebensbedrohliche Lebensmittelvergiftung, verursachen.
Botulinumtoxin führt an den Nervenendigungen zu einer irreversiblen Hemmung der Ausschüttung von Acetylcholin (wichtiger chemischer Botenstoff für die Erregungsübertragung vom Nerven auf den Muskel) in den synaptischen Spalt und damit zu einer Hemmung der Impulsübertragung vom Nerven auf den Muskel. Es resultieren Lähmungen der quergestreiften und glatten Muskulatur. Durch lokale Injektionen in krankhaft überaktive Muskeln können diese gezielt ruhiggestellt werden.
Außerdem bewirkt Botulinumtoxin eine Hemmung der Sekretion von Tränen-, Schweiß- und Speicheldrüsen, diese Wirkung wird zum Beispiel bei der Behandlung der pathologisch erhöhten Schweißsekretion (Hyperhidrosis) genutzt.

 

Für die therapeutische Anwendung am Menschen wird in aufwendigen und streng kontrollierten technischen Verfahren aus Bakterienkulturen die Substanz Botulinumtoxin gewonnen und mit genauen Dosisangaben in Glasampullen abgepackt. Dadurch ist dieses Präparat in der Hand des erfahrenen und qualifizierten Anwenders ein sicheres Medikament.

 

Schiefhals vor Therapie Schiefhals nach Therapie

 

Wirkdauer


Die Wirkung von Botulinumtoxin setzt innerhalb von wenigen Tagen ein (auch abhängig von der Dosis und Größe des Muskels) und beträgt durchschnittlich 3 – 4 Monate (kann individuell sehr unterschiedlich sein). Danach ist eine erneute Injektion erforderlich, die Dosis wird in Abhängigkeit vom vorangegangen Wirkeffekt angepasst. Es handelt sich bei dieser Therapie also nicht um eine Heilung, sondern um eine Linderung von Symptomen, die bei Nachlassen der Wirkung wieder auftritt. Eine durch die Behandlung unbeabsichtigt auftretende Nebenwirkung bildet sich dementsprechend auch wieder vollständig zurück. Es ist also problemlos eine langdauernde, ggf. jahrzehntelange Therapie mit Botulinumtoxin möglich.

 

Kontraindikation


Die Behandlung darf nicht erfolgen bei Erkrankungen der neuromuskulären Erregungsübertragung (Myasthenie, Lambert-Eaton-Syndrom), in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Blutern oder unter Einnahme von Antikoagulantien (Marcumar, Falithrom), schweren Infektionen im Injektionsgebiet sowie bei schweren Myopathien.

 

Behandlungsschwerpunkte in unserer Ambulanz

 

Fokale Dystonien


Dystonien sind anhaltende, unwillkürliche Muskelkontraktionen, die durch das pathologische Zusammenspiel der Muskulatur zu oftmals bizarren Fehlstellungen und Fehlhaltungen sowie pathologischen Bewegungsabläufen führen.
Dazu zählen zum Beispiel

 

  1. die cervicale Dystonie (Schiefhals),
  2. der Blepharospasmus (Lidkrampf),
  3. das Meige-Syndrom (eine Kombination aus Lidkrampf und oromandibulärer Dystonie, das sind Bewegungsstörungen im Mund- und Kieferbereich),
  4. fokale Handdystonien (zum Beispiel Schreibkrampf) und Fußdystonien.

 

Bei diesen fokalen Dystonien stellt Botulinumtoxin die Therapie der ersten Wahl dar.

 

Hemispasmus fazialis (halbseitiger Gesichtskrampf)


Dieser wird verursacht durch eine periphere Schädigung des N. fazialis bzw. seiner Kerngebiete. Es ist eine der dankbarsten Indikationen für die Behandlung mit Botulinumtoxin.

 

Spastische Bewegungsstörungen


Spastizität ist eine neurogen bedingte muskuläre Überaktivität, welche auf einer zentralen Schädigung der absteigenden motorischen Bahnsysteme beruht (zum Beispiel nach Schlaganfall).
Klinische Merkmale sind ein erhöhter Muskeltonus, spastische Lähmung, gestörte Muskelkoordination.
An Sekundärkomplikationen kommt es zu Muskelkontrakturen, Fehlstellungen der Gelenke und oftmals starken Schmerzen.

Die Therapie der Spastizität erfordert ein multimodales Therapiekonzept (medikamentöse Therapie, Physio- und Ergotherapie, orthopädische Hilfsmittel etc.).
Eine Behandlung mit Botulinumtoxin ist nur für ein fokales spastisches Syndrom möglich. In Deutschland liegt die Zulassung für die Behandlung der Armspastik bei Erwachsenen nach Schlaganfall und die Behandlung des Spitzfußes bei infantiler Zerebralparese vor.

 

Behandlungsziele einer lokalen Botulinumtoxin-Therapie bei Spastik sind insbesondere


- Vermeidung von Kontrakturen
- Erleichterung von Pflege und Hygiene
- Schmerzlinderung
- ggf. Verbesserung motorischer Fähigkeiten

 

Die Bildung eines Spastik-Kompetenzzentrums in Zusammenarbeit mit dem Neurologischen Therapiezentrum Magdeburg ist geplant.

 

 

Ablauf der Behandlung


Die Überweisung an die Spezialambulanz sollte vom Facharzt für Neurologie erfolgen. Eine Terminvergabe erfolgt unter der Telefonnummer 67-13484. Vorbefunde und evtl. Röntgenaufnahmen (insbesondere CT, MRT) sind bitte bei der Erstvorstellung mitzubringen.

Bei der Erstkonsultation wird eine genaue Krankengeschichte erhoben und es erfolgt die körperliche neurologische Untersuchung. Danach wird entschieden, ob weitere apparative Untersuchungen oder Blutentnahmen zur Diagnostik  erforderlich sind und ob die Indikation für einen Behandlungsversuch mit Botulinumtoxin gegeben ist. Anschließend erfolgt eine ausführliche Aufklärung über die vorgesehene Behandlung.

Die Kosten der Behandlung mit Botulinumtoxin werden im Rahmen der Indikationen, für welche die Präparate vom BGA zugelassen sind, von den Kassen voll übernommen.

 

Kontakt

OÄ Dr. med. Ute Bock

Otto-von-Guericke-Universität

Universitätsklinik für Neurologie

und Universitätsklinik für Stereotaktische Neurochirurgie
Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R
Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg,

Deutschland


Tel: +49 0391 6713484
E-mail:  ute.bock@med.ovgu.de